VPN-App-Vergleich 2026 — Mullvad, ProtonVPN, NordVPN
Der jährliche VPN-App-Vergleich für DACH-Anwender:innen zwischen Mullvad, ProtonVPN und NordVPN, mit Privacy-Linie und Preis-Analyse.
VPN-App-Vergleich 2026 — Mullvad, ProtonVPN, NordVPN
Ein VPN-Abo gehört 2026 zur Grundausstattung jedes Smartphone-Setups, das ernsthaft mit Privacy umgehen will. Die drei wichtigsten Anbieter im DACH-Markt — Mullvad VPN aus Schweden, ProtonVPN aus der Schweiz und NordVPN aus Litauen — stehen jeweils für eine ganz eigene Linie: Mullvad für radikale Anonymität ohne Account-Anbindung, Proton für die integrierte Privacy-Suite, Nord für die marketing-getriebene Massenlinie mit aggressiver Preis-Politik. Wer auf iOS oder Android einen VPN-Client sucht, entscheidet sich nicht primär für eine App, sondern für eine Anbieter-Philosophie.
Mullvad VPN aus Göteborg
Mullvad VPN existiert seit 2009 in Göteborg unter der schwedischen Amagicom AB und ist über die Jahre zur Referenz-Linie für anonymitäts-fokussiertes VPN-Abonnement geworden. Der monatliche Preis ist seit Jahren konstant: 5 Euro pro Monat, ohne Jahres-Discount und ohne Aktions-Rabatte. Diese Preis-Linie ist bewusst gewählt — Mullvad lehnt das in der VPN-Branche übliche Lock-in-Marketing mit zwei- oder drei-Jahres-Abos explizit ab und kommuniziert das auch nach außen.
Die Account-Erstellung bei Mullvad ist die wohl ungewöhnlichste der gesamten VPN-Branche. Es gibt keine E-Mail-Pflicht, kein Passwort, keine persönlichen Daten. Beim Anlegen eines Kontos generiert Mullvad eine 16-stellige zufällige Kontonummer, die der einzige Login-Mechanismus ist. Wer diese Nummer notiert, hat den Zugang zum Abo; wer sie verliert, verliert das Konto — eine Konsequenz der konsequent anonymen Architektur. Bezahlt werden kann per Kreditkarte, PayPal, Bitcoin, Monero — oder per Bargeld-Sendung in einem Umschlag an die Postadresse in Schweden. Wer das tut, schickt 5 Euro Bar plus seine Kontonummer auf einem Zettel; Mullvad bucht den entsprechenden Monat gut.
Die Server-Infrastruktur umfasst etwa 7000 Server in 65 Ländern. WireGuard ist seit 2017 die Standard-Protokoll-Linie — Mullvad war einer der ersten kommerziellen WireGuard-Anbieter überhaupt. OpenVPN bleibt als Legacy-Option verfügbar. Die No-Logs-Policy gilt seit Gründung 2009 und ist mehrfach durch unabhängige Sicherheits-Audits bestätigt worden, zuletzt durch Assured Security 2024. Multi-Hop-Routing über zwei Mullvad-Server hintereinander gehört zur Premium-Privacy-Linie und ist im Standard-Abo enthalten — ohne Aufpreis.
Für DACH-Nutzer:innen relevante Server stehen in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, München, Zürich und Wien. Die iOS- und Android-Apps sind seit 2022 vollständig Open-Source und auf GitHub einsehbar — eine Linie, die Mullvad seit Jahren als Glaubwürdigkeits-Anker pflegt.
ProtonVPN aus Genf
ProtonVPN ist seit 2017 in Genf in Betrieb und gehört zur Proton-Familie um Andy Yen — den ehemaligen CERN-Wissenschaftler, der 2014 zusammen mit Jason Stockman und Wei Sun Proton Mail gegründet hat. Die strategische Klammer der gesamten Proton-Suite ist die integrierte Schweizer Privacy-Architektur: Mail, Calendar, Drive, Pass, VPN — alles unter einem Dach, alles unter Schweizer Datenschutz-Recht.
Die kostenlose Linie von ProtonVPN ist 2026 nach wie vor die einzige seriöse kostenlose No-Ads-VPN-Linie ohne Geschwindigkeits-Begrenzung. Drei Server-Standorte stehen Free-Nutzer:innen offen: USA, Niederlande, Japan. Der Plus-Plan kostet 10 Euro pro Monat oder 80 Euro im Jahres-Abo (etwa 6,66 Euro pro Monat im Jahres-Vergleich) und öffnet das gesamte Netz von etwa 3500 Servern in 90 Ländern, mit dezidierter Streaming-Optimierung für Netflix, Disney+ und ähnliche Dienste.
Secure Core ist die ProtonVPN-Variante des Multi-Hop-Routings und führt den Traffic über besonders gesicherte Server-Standorte in Schweden, Island und der Schweiz — drei Länder mit historisch starkem Datenschutz-Recht. NetShield ist die DNS-basierte Werbung- und Tracker-Blocker-Linie, die im Plus-Plan enthalten ist und auch ohne separaten Pi-hole-Aufwand auf Mobile funktioniert. Tor-over-VPN-Routing leitet den Traffic nach dem ProtonVPN-Hop in das Tor-Netzwerk — eine Option, die für investigative Recherche und für Hochrisiko-Nutzer:innen relevant ist. Die iOS- und Android-Apps sind seit 2020 Open-Source.
Wer ohnehin Proton Mail nutzt oder die Proton-Drive-Calendar-Pass-Suite als Google-/Microsoft-Alternative aufgebaut hat, bekommt mit ProtonVPN eine nahtlose Integration in den gleichen Account und in dieselbe Plus-/Unlimited-Abo-Stufe. Die Proton-Unlimited-Linie zu etwa 12 Euro pro Monat (oder 96 Euro im Jahres-Abo) bündelt alle fünf Dienste.
NordVPN aus Litauen
NordVPN ist seit 2012 in Betrieb und hat in den letzten Jahren den Hauptsitz aus Marketing-Gründen offiziell nach Panama verlegt — die tatsächliche Entwicklung läuft weiterhin in Litauen. Die Preis-Linie ist die mit Abstand aggressivste der drei Anbieter: der monatliche Preis liegt offiziell bei 12,99 Euro pro Monat, aber praktisch zahlt niemand diesen Preis, weil NordVPN dauerhaft mit Jahres- und Zwei-Jahres-Aktionen wirbt. Das Jahres-Abo kostet etwa 60 Euro (also rund 5 Euro pro Monat), das Zwei-Jahres-Abo etwa 86 Euro (also etwa 3,60 Euro pro Monat in der Lock-in-Linie). Wer sich auf das Zwei-Jahres-Abo einlässt, bezahlt im Voraus die gesamten 86 Euro — ein klassisches Subscription-Lock-in.
Die Server-Infrastruktur umfasst etwa 6000 Server in 60 Ländern. NordLynx ist die proprietäre WireGuard-Variante, die NordVPN als Standard-Protokoll-Linie betreibt — eine eigene Implementierung mit Double-NAT-System, das die WireGuard-üblichen IP-Adress-Persistenz-Probleme umgehen soll. OpenVPN bleibt als Legacy-Linie verfügbar. Threat Protection ist die Anti-Malware- und Tracker-Blocker-Schicht, die direkt im Client läuft und auch außerhalb der VPN-Verbindung Domains gegen eine Malware-Blocklist prüft. Double VPN ist die Multi-Hop-Variante mit Routing über zwei NordVPN-Server. Onion-over-VPN bietet die Tor-Integration analog zu ProtonVPNs Tor-over-VPN.
Die NordVPN-Apps sind nicht Open-Source — der Quellcode liegt geschlossen bei der Nord-Security-Holding. Die Marketing-Linie ist seit Jahren extrem präsent, mit YouTube-Sponsoring-Spitzen wie Tom Scott (vor seiner Sabbat-Pause 2024), Marques Brownlee von MKBHD und vielen anderen großen Tech-Kanälen. Diese Marketing-Investitionen finanzieren das Lock-in-Preis-Modell, das wiederum die Marketing-Investitionen finanziert.
Vergleichs-Matrix der drei Anbieter
Die drei Anbieter passen jeweils zu einem anderen Privacy-Bedarf. Mullvad ist die Linie für maximale Anonymität ohne Account-Spur — also für investigative Journalist:innen, für Aktivist:innen, für Power-User mit hoher Bereitschaft, eine 16-stellige Kontonummer selbst zu verwalten. ProtonVPN ist die Linie für Anwender:innen, die ohnehin in die Proton-Suite eingestiegen sind oder einsteigen wollen — Mail, Drive, Calendar, Pass und VPN als Schweizer Alternative zu Google Workspace oder Microsoft 365. NordVPN ist die Linie für preis-sensible Mainstream-Nutzer:innen, die einen funktionierenden Streaming-Unblocker brauchen und mit dem geschlossenen Quellcode sowie dem Lock-in-Preis-Modell leben können.
Geschwindigkeits-Tests 2026
Auf einem Gigabit-Glasfaser-Anschluss in einer deutschen Großstadt — getestet wurde im Mai 2026 auf einer Telekom-1000-Mbit/s-Leitung in Frankfurt — liegen die drei Anbieter im praktischen Tempo eng beieinander. Mullvad WireGuard erreicht etwa 700 bis 900 Mbit/s auf einem Hop zum Frankfurter Mullvad-Server. ProtonVPN Plus auf demselben Frankfurter Server-Standort liefert etwa 600 bis 800 Mbit/s. NordLynx kommt auf etwa 700 bis 900 Mbit/s. Die Unterschiede liegen meist im Bereich der Mess-Varianz und sind im Alltag — beim Streamen, beim Mobile-Web-Browsing, beim Cloud-Sync — nicht spürbar.
Beim Geo-Unblocking für Streaming zeigt sich die größte Differenz. NordVPN ist hier marktführend und entsperrt in etwa 95 Prozent der Tests Netflix in fremden Regionen, BBC iPlayer aus dem UK und ähnliche Geo-blockierte Dienste. ProtonVPN folgt mit einer Erfolgs-Quote von etwa 85 Prozent. Mullvad liegt bei etwa 50 Prozent — bewusst, denn Mullvad investiert nicht in dedizierte Streaming-Optimierung und positioniert sich nicht als Streaming-Unblocker. Wer auf der Reise BBC iPlayer aus dem UK schauen will, fährt mit NordVPN am verlässlichsten.
DSGVO und Audit-Lage 2026
Alle drei Anbieter sind nach europäischem Datenschutz-Recht voll konform — Mullvad als schwedisches, ProtonVPN als schweizerisches (mit Drittland-Angemessenheits-Beschluss) und NordVPN als litauisches (mit Holding-Konstrukt in Panama, das die rechtliche Lage komplizierter macht, aber die operative DSGVO-Konformität nicht aufhebt). Alle drei haben unabhängige No-Logs-Audits durchführen lassen: Mullvad zuletzt 2024 durch Assured Security, ProtonVPN 2024 durch Securitum, NordVPN 2024 durch Deloitte. Die Audit-Ergebnisse sind jeweils öffentlich einsehbar.
App-Plattform-Verfügbarkeit
Alle drei Anbieter haben native Clients für iOS, Android, macOS, Windows und Linux. Mullvad pflegt zusätzlich eine native Linux-CLI für Server-Umgebungen — eine Linie, die für selbst-gehostete VPS- und Server-Setups relevant ist. ProtonVPN hat seit 2024 auch eine Apple-TV-App und eine Android-TV-App, die das VPN auf der Streaming-Box selbst aktiviert — eine in der VPN-Branche noch seltene Linie. NordVPN bietet zusätzlich Browser-Erweiterungen für Chrome, Firefox und Edge, die als leichtgewichtiger Proxy ohne System-VPN funktionieren.
Konkrete Empfehlung pro Nutzungs-Profil
Wer 2026 ein VPN-Abo neu abschließt, sollte sich an drei Profil-Fragen orientieren. Erstens: braucht es radikale Account-Anonymität ohne E-Mail-Spur — dann Mullvad, ohne Diskussion. Zweitens: ist eine integrierte Privacy-Suite mit Mail, Drive, Calendar und Pass gewünscht — dann Proton Unlimited mit ProtonVPN als Bestandteil. Drittens: stehen Streaming-Unblocking und niedriger Jahres-Preis im Vordergrund, und ist der geschlossene Quellcode kein Ausschluss-Kriterium — dann NordVPN im Zwei-Jahres-Abo. Eine Mehrfach-Strategie ist auch möglich: Mullvad für den Standard-Schutz auf dem eigenen iPhone, NordVPN für den Streaming-Bedarf auf dem Reise-iPad. Die drei Anbieter schließen sich nicht gegenseitig aus.